Geschichte
Im Folgenden werden die wichtigsten Ereignisse der mexikanischen Geschichte im Zeitraffer aufgelistet. Die genannten Länder und Bundesstaaten gab es in der prähispanischen Periode und zu Beginn der Kolonialherrschaft natürlich noch nicht; ihre Angabe soll lediglich der Verortung der Schauplätze dienen.
Präklassik (ca. 3300 v.Chr. bis 200 n.Chr.)
Klassik (ca. 200 n.Chr. bis 909)
Spanische Kolonialherrschaft (1521-1821)
Von der Unabhängigkeit 1821 bis zur Mexikanischen Revolution 1910
Frühgeschichte
- 10000 Ältester menschlicher Fund in Mexiko ("Mensch von Tepexpan")
- 6000 Erste sesshafte Stämme, Beginn des Ackerbaus
- 5000 Älteste Funde von Maisanbau
Präklassik (ca. 3300 v.Chr. bis 200 n.Chr.)
- 2500 Erste Töpferwaren
- 1200 bis ca. 5.000 Mutterkultur der Olmeken
(La Venta-Kultur, Kolossalköpfe) an der Golfküste von Tabasco und dem südlichen Veracruz mit entscheidendem Einfluss auf viele spätere mesoamerikanische Hochkulturen.
- 900 Zapotekensiedeln im Tal von Oaxaca
- 900 Besiedelung des Maya-Territoriums
- 100 Gründung von Teotihuacán in Zentralmexiko
Klassik (ca. 200 n.Chr. bis 909)
Nach dem Untergang der Olmeken-Kultur entstehen weitere Hochkulturen wie Teotihuacán, Monte Albán, Maya-Städte. Wechselseitige Beziehungen durch Handel, Kriege und Migration. Aus der Klassischen Periode stammen die meisten archäologischen Stätten Mexikos.
- 200 bis 500 Blütezeit von Teotihuacán, der ersten Großstadt Mesoamerikas; Untergang gegen 750
- 300 bis 900 Blüte der Maya-Kulturmit den Stadtstaaten Palenque, Tikal, Yaxchilán, Calakmul u.a. in Südmexiko und Guatemala. Noch vor 900 werden die meisten aufgegeben.
- 700 bis 900 Blütezeit von El Tajín, Hauptstadt der Totonaken im nördlichen Veracruz.
Postklassik (910 bis 1521)
In diese Periode fallen große Völkerwanderungen, unter anderem der Einfall kriegerischer Stämme (Chichimeken) aus dem Norden ins mexikanische Zentralplateau. Die Epoche wird mit der Eroberung des Aztekenreiches durch die Spanier abgeschlossen. 856 Die Tolteken gründen Tula, das bald zum mesoamerikanischen Machtzentrum wird (Quetzalcóatl-Priesterkönige). 1000 Toltekengruppen wandern ins Maya-Gebiet ab und beeinflussen dort eine Renaissance der Maya-Kultur in Chichén Itzá (maya-toltekische Architektursynthese).
- 1168 Tula wird von den Chichimeken erobert.
- 1100 Die Mixtekenüberlagern die Zapoteken-Kultur im Tal von Oaxaca (Monte Albán, Mitla). Aufgabe von Chichén Itzá und der Puuc-Stätten.
- 1250 Gründung von Mayapán
- 1325 Gründung der Azteken-Hauptstadt Tenochtitlán (heute Mexiko-Stadt) auf einer Insel im Texcoco-See.
- 1492 Am 12. Oktober entdeckt Kolumbus Amerika bzw. eine Bahama-Insel.
- 1502 bis 1519 Herrschaft des Aztekenkönigs Moctezuma II. Das Imperium der Azteken umfasst ganz Zentralmexiko und große Teile des Südwestens.
- 1519 Der spanische Eroberer Hernán Cortés und seine Leute gehen im
April in der Nähe des heutigen Veracruz vor Anker.
- 1521 Cortés besiegt am 13. August den letzten Aztekenkönig Cuauhtémoc und mit dem Fall Tenochtitláns beginnt die spanische Kolonialherrschaft.
Spanische Kolonialherrschaft (1521-1821)
Mit der Christianisierung durch Kirche und Mission geht auch die Zerstörung indigener Kulturleistungen einher, einige Mönche wie u.a. Sahagún machen Aufzeichnungen. Indígenas und Einwanderer vermischen sich zur immer größer werdenden mestizischen Mischbevölkerung, eine neue Sozial- und Wirtschaftsstruktur (Kastensystem; Landwirtschaft und Silberminen) entsteht. Nueva España (Neu-Spanien) wird von spanischen Vizekönigen regiert.
- 1521 Mexiko-Stadt entsteht auf den Trümmern Tenochtitláns. Cortés ist militärischer Oberbefehlshaber und Statthalter (Gouverneur) von Nueva España.
- 1522 Einführung des Encomienda-Systems, das die indigenen Urbewohner als Leibeigene zur Arbeit bei den spanischen Grundbesitzern verpflichtet.
- 1523 Die Franziskaner-Mönchebeginnen mit der Missionierung, ebenso die Dominikaner (1526), Augustiner (1533) und Jesuiten (1571).
- 1524 bis 1530 Niederwerfung der restlichen mesoamerikanischen Völker und Regionen durch Cortés, Guzmán, Montejo u.a.
- 1531 Nach einer Legende erscheint dem Indígena Juan Diego (2002 vom Papst heilig gesprochen) am 12. Dezember eine dunkelhäutige Maria. Als "Jungfrau von Guadalupe" wird sie zur Schutzheiligen der Urbewohner und später aller Mexikaner. Millionen treten zum Christentum über.
- 1545 Der Bischof von Chiapas, Bartolomé de las Casas, setzt sich für die Rechte der Indígena ein. Ihre Zahl ist durch Kriege, Krankheiten und Fronarbeit seit der Ankunft der Spanier auf mindestens die Hälfte zurückgegangen. Der Mangel an Arbeitskräften hat die Herbeischaffung afrikanischer Sklaven zur Folge.
- 1535 bis 1565 Durch Eroberungszüge wird das Vizekönigreich im Norden bis nach Kalifornien und Texas ausgedehnt. Große Silber-Ausfuhren nach Spanien, denn die Kolonie darf nur mit dem Mutterland Handel treiben.
- 1697 Letztes unabhängiges Maya-Reich, das der Itzaés am Petén See (Guatemala), wird von den Spaniern unterworfen.
- 17. Jhr. Die Herrschaft der Spanier ist endgültig gefestigt. Um 1670 geht der erste Silberboom zu Ende. Es entstehen große Haciendas (Landgüter), die materielle Ausbeutung des Landes hält an. Etwa ein Drittel Mexikos ist im Besitz der Kirche. 1697 stirbt der spanische König Karl II., die Macht des Mutterlandes zerfällt.
- 18. Jhr. Um 1750 setzt sich die Bevölkerung aus ca. 4 Mio. rechtloser Indígenas, 1,5 Mio. Mestizen (Mischlinge) und etwa 1 Mio. Criollos (direkte Nachfahren der Spanier) zusammen.
- 1767 müssen die Jesuiten Mexiko per königlichem Dekret verlassen (sie waren zu wohlhabend und mächtig geworden).
- 1803/04 Alexander von Humboldt reist durch Mexiko und macht wertvolle Studien und Aufzeichnungen.
- 1810 bis 1821 Der Priester Miguel Hidalgo ruft am 16. September 1810 in Dolores (Guanajuato) zum Unabhängigkeitskrieg auf ("Grito de Dolores"), der bis 1821 dauert. Im wechselhaften Kriegsglück werden die Unabhängigkeitsführer Hidalgo, Allende, Jiménez und Morelos hingerichtet.
Von der Unabhängigkeit 1821 bis zur Mexikanischen Revolution 1910
Die ersten 90 Jahre von Mexikos neuer republikanischer Freiheit sind geprägt von endlosen Wirren, Konflikten, Putschen, Kriegen und Bürgerkriegen, Reformen und europäischer Intervention. Allein zwischen 1821 und 1854 lösten sich 34 Regierungen ab, gab es ein Kaiserreich und wurden 5 Verfassungen verabschiedet.
24.08.1821 Unterzeichnung der Unabhängigkeitsurkunde.
- 1822 Agustín Iturbide wird für ein Jahr erster Kaiser von Mexiko.
- 1823 Mexiko wird Republik. Die vorigen Provinzen Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua erklären ihre Unabhängigkeit.
- 1836 Texas erklärt sich von Mexiko unabhängig. 1845 wird es von den USA annektiert.
- 1846 bis 1848 Darüber kommt es zwischen Mexiko und den USA zum Krieg, der mit dem Verlust von Texas und dem Verkauf von Kalifornien, Arizona und Neu-Mexiko an die USA endet. Damit ist Mexiko um mehr als die Hälfte kleiner geworden.
- 1847 bis 1933 "Krieg der Kasten" (Maya-Aufstand) in Yucatán gegen die mexikanische Zentralregierung.
- 1857 Eine Reformregierung beschließt eine liberale Verfassung (Beschneidung der Privilegien von Kirche und Militär, Abschaffung des kirchlichen Grundbesitzes, des Hacienda Systems sowie des kommunalen Landbesitzes der Indígena Gemeinden). Darüber kommt es
- 1858 bis 1861 zum Reformkrieg, bei dem die Liberalen gegen die Konservativen siegreich bleiben.
- 1858 bis 1861 Der Zapoteke Benito Juárez aus Oaxaca wird 1858 erster indigener Präsident Mexikos.
- 1861 bis 1863 Das stark verschuldete Mexiko stellt die Zahlungen an europäische Mächte ein. England, Frankreich und Spanien besetzen daraufhin Teile des Landes. England und Spanien ziehen sich bald zurück, Frankreich wird vor Puebla geschlagen (Schlacht "5 de Mayo" 1862), kann aber Mexiko-Stadt besetzen. Unter dem Schutz von Napoleon III. und mit Hilfe mexikanischer Konservativer wird 1864 Maximilian von Habsburg als Kaiser von Mexiko eingesetzt.
- 1866/1867 Die Liberalen setzen sich siegreich gegen Konservative und Franzosen durch. Maximilian wird 1867 in Querétaro erschossen, die Franzosen ziehen sich nach Europa zurück.
- 1867/1911 Porfirio Díaz regiert (Unterbrechung von 1880?84) unter diktatorischen Vollmachten (Porfiriat). Hoher Kapitalzustrom ausländischer Investoren. Wohlstand und Modernisierungen für die Oberschicht, doch die Lage der Landbevölkerung verschlimmert sich. Indigener Gemeindebesitz wird Eigentum von Großgrundbesitzern. Soziale Reformen bleiben aus. Etwa 95% des Bodens sind nun in den Händen von nur 1% der Bevölkerung.
Mexikanische Revolution (1910 bis 1917)
Das Unzufriedenheitspotential entzündet sich zu einem bewaffneten Bürgerkrieg, der bald erbarmungslos tobt (rund 1,5 Mio. Tote) und bis heute tief im Bewusstsein der Mexikaner verhaftet ist.
- 20.11.1910 Der bewaffnete Aufstand beginnt unter Francisco Madero und Pancho Villa in Nordmexiko.
- 1913 Díaz dankt ab, Madero wird Präsident. Doch schon wird er erschossen und General Huerta ruft sich zum neuen Präsidenten aus. Die Revolutionsführer Emiliano Zapata, Pancho Villa, Venustiano Carranza und Álvaro Obregón kämpfen gegen die Regierungstruppen.
- 1914 Huerta dankt ab, Carranza übernimmt die Regierung (mit Sitz in Veracruz). Ein militärisches Chaos folgt. Obregón besiegt Villa vernichtend in Celaya und Zapata kämpft nun gegen Carranza.
- 05.02.1917 Proklamation der neuen Verfassung (mit ähnlichen Grundsätzen wie die liberale Verfassung von 1857; sie sieht u.a. auch die Verstaatlichung aller Bodenschätze Mexikos vor). Für die breite Masse blieb diese jedoch eine Enttäuschung, da viele ihrer Bestimmungen nicht hinreichend umgesetzt wurden. Die vorgesehene Landumverteilung kam z.B. erst in den 1930er Jahren in Gang.
Nachrevolutionäres und modernes Mexiko
- 1920 Ermordung Carranzas. Obregón wird Präsident. Unter ihm und seinem Nachfolger Calles beschreitet Mexiko einen zunehmend sozialrevolutionären Weg.
- 1929 Gründung der (Staats-)Partei PNR, die sich 1946 in PRI (Partido Revolucionario Institucional) umbenennt und bis zum Jahr 2000 alle Präsidenten stellt.
- 1934 bis 1940 Unter Präsident Lázaro Cárdenas werden u.a. Böden umverteilt, die ausländische Ölindustrie enteignet und die Eisenbahnen verstaatlicht.
- 1946 bis 1952 Unter der Regierung von Miguel Alemán kommt es zum wirtschaftlichen Aufschwung, doch auch zu Problemen durch anhaltende Korruption.
- 1953 Die Frauen erhalten das Stimmrecht.
- 1964 bis 1970 Unter der Regierung Díaz Ordaz entsteht 1968 eine Studentenrevolte mit Erschießung tausender Demonstranten in Mexiko-Stadt.
- Olympiade 1968, Fußball-WM 1970.
- 1970 bis 1976 Präsidentschaft von López Portillo y Pacheco. 1980 ist Mexiko der viertgrößte Erdölproduzent der Welt. Doch Inflation und Handelsdefizite treiben es in eine wirtschaftliche Krise. Dann fällt weltweit der Rohölpreis. Staatsverschuldung und überbewerteter Peso verursachen eine gewaltige Kapitalflucht. Mexikos Banken werden verstaatlicht.
- 1982 bis 1988 Riesige Auslandsschulden, hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Inflationsrate demoralisieren die Bevölkerung. Präsident Miguel de la Madrid privatisiert nahezu 60 staatliche Unternehmen.
- 1986: Fußball-WM.
- 19.09.1985 Ein schweres Erdbeben fordert über 10.000 Tote in Mexiko Stadt.
- 1988 bis 1994 Als Heilmittel gegen die Rezession wird unter Carlos Salinas de Gortari eine große Privatisierungswelle eingeläutet. Dafür bekommt Mexiko einen Teil seiner Auslandsschulden erlassen. Unter Salinas werden die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan wieder aufgenommen. Ende Dezember 1994 kommt es zu einem Kurssturz des Peso, der in ganz Lateinamerika heftige Finanzkrisen auslöst. Die USA, der IWF und die Weltbank gewähren großzügige Kredite zur Stabilisierung der Peso-Krise.
- 1990 Octavio Paz (1914-1998) erhält den Nobelpreis für Literatur.
- 01.01.1994 Am Tag des Beitritts Mexikos zum Freihandelsabkommen NAFTA (North American Free Trade Agreement, span. TLC, Tratado de Libre Comercio) erschüttert der Indígena Aufstand des EZLN unter Subcomandante Marcos nachhaltig das Land.
- März 1994 Der Präsidentschaftskandidat des PRI, Luis Donaldo Colosio, wird ermordet. Nachfolger ist Ernesto Zedillo (Amtsantritt 1.12.94).
- 1994 bis 2000 Der frühere Präsident Salinas geht ins Exil nach Irland, sein Bruder Raúl wird wegen Verdacht auf schwerste Drogengeschäfte inhaftiert. 1997 kommt erstmals ein Kandidat der Oppositionspartei PRD (Partido de la Revolución Democrática) durch freie Wahlen ans Bürgermeisteramt von Mexiko Stadt.
- Zum Jahresende schwere Zerstörungen an der Pazifikküste durch den Hurrikan "Paulina".
- 02.07.2000 Nach 71 Jahren Regierungsmonopol gewinnt Vicente Fox Quesada vom liberalkonservativen PAN (Partido de Acción Nacional) die Präsidentschaftswahl.
- 2000 bis 2006 Zum ersten Mal seit 1976 wird der Machtwechsel nicht von einer Finanzkrise begleitet. Doch der von vielen Mexikanern erhoffte große Wandel unter dem neuen PAN-Präsidenten blieb aus.
- 05.09.2006 Zwei Monate nach der Präsidentenwahl in Mexiko ist der konservative Politiker Felipe Calderón am 5. September 2006 zum Sieger erklärt worden.
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