Kultur
Musik und Tanz
In Mexiko gibt es keine Feier ohne Musik und Tanz. Der Stil unterscheidet sich von Region zu Region, denn jede Volksgruppe hat ihre eigene Musik, eigene Tänze und Trachten. Dabei wurde die lebensfrohe Folkloremusik von vielen Einflüssen geprägt, kreolischmestizische Elemente, aber auch afrikanisch-karibische Rhythmen (Cumbia, Salsa, Merengue) gehören dazu. Auch wenige präkoloniale Tänze haben die Konquistadoren überlebt. Zu diesen Tänzen gehören z.B. die Concheros, deren Tanzgruppen man öfters auf dem Platz neben der Kathedrale in Mexiko-Stadt oder auf dem Zocalo von Coyacan in ihrer typischen Kleidung findet.
In Veracruz wird z.B. ein riesiger Federkopfschmuck während der Vorführung des Quetzal-Tanzes getragen. Ein umfangreicher Kopfschmuck, Rasseln, Pfeil und Bogen sind ebenfalls wichtige Requisiten der Sonajero Tänzer, die dem Kreuz und den Naturgewalten gewidmet sind. Zum Musizieren benutzt man Trommeln aus Ton, Holz oder Schildkrötenpanzer, Raspeln aus Knochen oder Holz, Rasseln aus Muscheln, einfache Flöten und Muschelhörner.
Die berühmteste Volksmusik Mexikos ist die Mariachi-Musik. Sie verbreitete sich von Jalisco über ganz Mexiko und dann über ganz Lateinamerika. Die Musik enthält sowohl spanische als auch französische Elemente. Das Wort "Mariachi" stammt wahrscheinlich vom französischen "mariage", Hochzeit ab. Eine Mariachigruppe besteht aus Streichinstrumenten (Gitarre und Geigen), aus Trompeten und einem oder mehreren Sängern. Mariachis sind typisch für Zentralmexiko, im Norden schwärmt man eher für Rancheros, die meist von melancholischem Schmerz, Gewalt und unerfüllter Liebe singen.
Im Süden Mexikos erfreuen sich die Klänge der Marimbas und der Harfen größter Beliebtheit. Der Besuch des "Ballet Folklórico de México" in Mexiko-Stadt oder einer Veranstaltung anderer Tanzgruppen kann einen guten Eindruck der facettenreichen Musik- und Tanztradition Mexikos vermitteln.
Malerei
Als besonders richtungsweisend für Mexikos Malerei des 20. Jahrhunderts wird José Guadalupe Posade (1852-1913) bezeichnet. Er kommentierte in seinen Werken (Karikaturen, Kupferstiche, Plastiken etc.) Alltagsgeschichten des mexikanischen Volkes und übte bissige Kritik an aktuellen politischen Ereignissen. Er war zeitlebens ein Künstler der Arbeiterklasse und Vorbild bzw. Anreger der "drei Großen", Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Alfaro Siqueros. Sie haben sich der Malerei im Großformat (murales) verschrieben und leisteten einen bedeutenden Beitrag zur zeitgenössischen Kunst Mexikos. Ihre Werke schmücken viele öffentliche Gebäude, Bahnhöfe, Schulen und Rathäuser.
Diego Rivera
Diego Rivera (1886-1957), Mexikos berühmtester Maler und Ehemann von Frida Kahlo, ist die Schlüsselfigur des Muralismus. Die Anfänge seiner künstlerischen Laufbahn führten ihn jedoch nach Europa und vor allem in Paris unter Pablo Picasso wurde er zu einem sehr erfolgreichen kubistischen Maler. Doch er erkannte, dass ihn dies immer weiter in die Abstraktion führen mußte und besann sich seiner Wurzeln und den dort herrschenden politischen Verhältnissen, woraufhin er 1921 nach Mexiko zurückkehrte. Er war sein Leben lang politisch aktiv und war Mitglied der kommunistischen Partei Mexikos, später überzeugter Stalinist von dem er sich aber bald abwandte und dann z.B. dem ins Exil geflüchteten Leo Trotzki Asyl gewährte.
Rivera wollte, dass seine Bilder allen zugänglich und auch der leseunkundigen Bevölkerung zugänglich sind. Er bemalte z.B. die Wände des Nationalpalastes in Mexiko Stadt mit Motiven der mexikanischen Geschichte. Die Dramatik und das traurige Schicksal eines unterjochten Volkes, wird dem Betrachter auf eindrucksvolle Weise vermittelt. Auch David Alfaro Siqueiros (1896-1957) war politisch sehr aktiv und in seinem Schaffen sehr radikal politsch wie auch künstlerisch.
Das Thema seiner monumentalen Bilder war meist der Klassenkampf, denn er war überzeugter Kommunist und Stalinist. Weniger politisch jedoch künstlerisch noch begabter als Rivera und Siqueiros war José Clemente Orozco. Seine beeindruckenden Arbeiten sind weniger detailgetreu wie die Riveras sondern zeigen mehr eine allgemeingültige, dramatisch-expressive Interpretation der Geschichte. Besonders beeindruckend sind seine Wandmalereien in Guadalajara im Treppenhaus des Regierungspalastes.
Frida Kahlo
Neben den männlichen Künstlern war es Frida Kahlo, die durch ihr Schaffen weit über die Grenzen Mexikos hinaus bekannt wurde. Heute gilt sie als bekannteste Malerin Lateinamerikas und sie wurde zur Kultfigur der internationalen Frauenszene. In ihrem 18. Lebensjahr erlitt sie einen schrecklichen Autounfall, der sie viele Monate ans Bett fesselte und unter dem sie zeitlebens schwer zu leiden hatte. Ihren Schmerz, ihre bewußt gelebte Weiblichkeit und die Suche nach den eigenen Wurzeln verarbeitete die lebenshungrige Frau in ihren Bildern.
Im Jahr 1929 heiratete sie den 20 Jahre älteren Diego Rivera und war mit vielen bedeutenden, mexikanischen Persönlichkeiten ihrer Zeit befreundet. Mit nur 47 Jahren starb Frida und heute ist ihr ehemaliges Wohnhaus, das "Blaue Haus" in Coyoacan, ein Museum das täglich viele Besucher in seinen Bann zieht. Durch die vielen persönlichen Gegenstände in den Wohnräumen, das Atelier und den hübschen tropischen Garten meint man, den Geist Fridas noch immer auf lebendige Art zu spüren.
B. Traven
B. Traven (* 1883, genaues Geburtsdatum und -ort sind nicht bekannt; Tod 26. März 1969 in Mexiko-Stadt) ist das Pseudonym eines deutschsprachigen Schriftstellers, der während seiner Hauptschaffensperiode in Mexiko lebte, und vor allem durch sozialkritische Abenteuerromane weltweit bekannt wurde. Seine bekanntesten Romane sind: "Das Totenschiff" und "Der Schatz der Sierra Madre".
B. Traven hat seine wahre Identität und Herkunft stets verborgen gehalten. Sein Geburtsdatum und -ort konnten bis heute nicht ermittelt werden. Zahlreiche weitere Pseudonyme können Ihm zugeordnet werden u.a. Traven Torsvan, Torsvan Croves, Hal Croves, Berick Torsvan. Er starb als mexikanischer Staatsbürger unter dem amtlichen Namen Bernhard Traven Torsvan, laut Papieren geboren am 25. Februar 1882 in San Francisco.
Unter dem Namen Ret Marut (ein weiteres Pseudonym, dessen Identität nach seinem Tod von der Witwe Rosa Elena Luján de Torsvan bestätigt wurde) hatte Traven im Rheinland als Schauspieler und ab 1917 als Publizist in Bayern gewirkt, wo er die anarchistisch-pazifistische Zeitschrift "Der Ziegelbrenner" herausgab. Er gehörte zu den Anführern der Münchner Räterepublik, ging nach dem Einmarsch der Freikorps in den Untergrund und gelangte 1924 über London unter abenteuerlichen Umständen nach Tampico am Golf von Mexiko.
Hier in der Ölstadt und mit vielen Reisen nach Chiapas fand er Inspiration für seine Geschichten und Romanfiguren: Arbeiter, Vagabunden und Indianer. Ende 1925 kam der Fremde, der sich B. Traven Torsvan nannte, nach Mexico City. Hier schließ er Kontakte zu einer Gruppe linker Intellektueller um die Maler Siqueiros und Diego Rivera, den amerikanischen Fotografen Edward Weston und die Kommunistin Tina Modotti.
Keiner seiner neuen Freunde ahnte, dass der Mann ohne Vergangenheit im Begriff stand, auf der anderen Seite des Atlantiks eine beispiellose Karriere zu starten. Denn hier wurde B. Traven mit sozialkritischen Abenteuerbüchern zu einem neuen Star der deutschen Literatur. Sein Roman "Das Totenschiff" katapultierte den Geheimnisvollen 1926 aus dem Nichts auf die öffentliche Bühne; anschließend verfasste er Bestseller um Bestseller und verriet dabei nie seinen wahren Namen, wo und wann er geboren wurde. Bis heute mühen sich Literaturforscher mit obskuren Theorien - doch B. Traven bleibt ein Rätsel!
Architektur
Schon die alten Kulturen Mexikos waren großartige Baumeister, die sich in verschiedenen Stilen auskannten. Mit der Eroberung entstanden neue Städte und die Spanier errichteten ihre barocken und teilweise maurisch inspirierten Bauten. Es wurden hunderte von Klöstern errichtet, wozu die Indígenas als billige Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Im 19 Jh. beeinflusste der Neoklassizismus die Architekten und der eigene Stil der Architekten des 20. Jh. drückt sich in künstlerisch freizügiger und international anerkannter Baukunst aus. Das Bibliotheksgebäude der Universitätsstadt und das Anthropologische Museum in Mexico City sind fantasievolle Bauten und besonders sehenswert.
Artesanías
Kunsthandwerkliche Produkte (artesanías oder arte popular) werden in Mexiko überall und in einer großen Vielfalt angeboten. Frühe handwerkliche Traditionen, aber auch Umformungen alter Techniken zu völligen Neuschöpfungen, lassen ein Angebot in allen erdenklichen Stilrichtungen entstehen. Die talentiertesten Töpfer, Weber, Sticker, Silberschmiede usw. finden sich unter den Indígenas und das meiste Kunsthandwerk stammt folglich aus den ärmeren Bundesstaaten Mexikos, wie Oaxaca, Chiapas, Guerrero oder Michoacán.
Jede Region ist in der Regel auf bestimmte Arbeiten spezialisiert und es werden die verschiedensten Materialien verwendet. Manchmal widmen sich ganze Dörfer der Herstellung einer einzigen Produktlinie. "Alebrijes", dass sind buntbemalte Holztierchen, werden z.B. in Arrazola (Oaxaca) hergestellt, das prähispanische Bastpapier Amate in San Pablito (Puebla) oder Silberschmiedearbeiten in Taxco. Korb- und Flechtwaren (canastas) kann man in ganz Mexiko erstehen. Hauptproduzenten sind die Mixteken Oaxacas. Auch eindrucksvolle Keramik (cerámica) gibt es in vielen regionalen Ausführungen, vor allem in bestimmten Dörfern Oaxacas, Chiapas, Guerrero und Jalisco.
Eine Besonderheit sind die Talavera-Kacheln und Töpferarbeiten aus Puebla sowie die allegorischen Lebensbäume. Auch Textilien und Webwaren (tejidos) werden im ganzen Land produziert. Die schönsten Sarapes (traditionelle Umhänge), Wolldecken, Rebozos (Schultertücher bzw. Schals) und Huipiles (bestickte Hemdkleider der Indígena-Frauen) findet man in Oaxaca, Chiapas und Yucatán.
Das Angebot an Schmuck aus Silber, Gold und Edelsteinen (plata, oro, pedrería) ist in Mexiko gut und preiswerter als in Europa. Für hübsche Silberarbeiten sind Oaxaca, Mexiko-Stadt und Guadalajara bekannt (die Silberstadt Taxco ist teuer). Echten Bernstein (ámbar) findet man vorwiegend in Chiapas, wo er gewonnen wird. Auf Kupfer und bunte Lackarbeiten hat man sich in einigen Städtchen des Staates Michoacán spezialisiert, aber auch in Chiapa de Corzo (Chiapas). Hängematten und Panamahüte kauft man am besten auf Yucatán. Sombreros kauft man am besten in Mexiko Stadt.
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